Ammersee
Ammersee von Norden bei Föhn, Hans Winterberg 1956


TO WHOM IT MAY CONCERN

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Den Lebenden schuldet man Respekt aber den Toten schuldet man nichts als die Wahrheit.
Voltaire


75 Jahre nach dem Holocaust, dem nationalsozialistischen Völkermord an rund 6 Millionen europäischen Juden, wird immer noch verschwiegen, dass der Komponist Hans Winterberg (1901-1991), ein tschechischer Prager Jude war. Vielmehr wurde und wird immer noch versucht ihn als "Sudetendeutschen" darzustellen aber die Fakten sprechen eindeutig dagegen.
 
Als Inhaber der Rechte am künstlerischen Nachlass meines Großvaters Hans Winterberg, wird meine Arbeit an seinem kompositorischen Werk vom Sudetendeutschen Musikinstitut (SMI) des Bezirks Oberpfalz - als Eigentümer der Originalnoten - bis heute massiv behindert. Die Jahre seit dem Verkauf (2000/2) des schriftlichen, künstlerischen Nachlasses, von meinem Onkel Christoph Winterberg (gest. 2018) dem Adoptivsohn Hans Winterbergs an das SMI, vergingen tatenlos. Erst 2011 stieß ich selbst, auf der Suche nach meinen Wurzeln, durch intensive Recherchen auf das Werk meines Großvaters, das mir sowohl von meinem Onkel als auch vom SMI bis dahin vorenthalten wurde.
 
Die Behauptung, dass aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes von Christoph Winterberg gehandelt wurde, ist meines Erachtens einem "krankhaftem Antisemitismus" geschuldet und im Fall Christoph Winterberg sogar ein Ausdruck von Paranoia und Verfolgungswahn. Wo bleibt eigentlich das Persönlichkeitsrecht meines Großvaters Hans Winterberg, welches doch auch über den Tod hinaus gilt? Hans Winterberg hat nicht "für die Schublade" komponiert und hat sich selbst nie verleugnet. Er hat immer versucht sein Werk über die Kriegsjahre und bis zu seinem Tod zusammenzuhalten und es zur Aufführung zu bringen. Dieser Vertrag hätte NIEMALS vom SMI gegengezeichnet werden dürfen!
 
Der Bezirk Oberpfalz, vertreten durch den Bezirkstagspräsidenten Franz Löffler kommt als Träger des SMI bis zum heutigen Tag seinen Aufgaben und Pflichten zur Aufklärung und zur Förderung des Werkes in keinster Weise nach. Warum müssen die Noten im SMI gelagert sein, obwohl eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Werkes und des Lebenslaufes von Hans Winterberg dort nicht einmal angedacht sind. Dieses jüdische Kulturgut hat es mehr als verdient sachgerecht aufgearbeitet zu werden! Eine Daseinsberechtigung des SMI und des dortigen Leiters Dr. Andreas Wehrmeyer durch Untätigkeit, muss man mir als selbständiger Goldschmied (bis heute 38 Jahre) auch erst einmal erklären. Steuergelder werden dort sinnlos vergeudet.

Ich fordere die unverzügliche Herausgabe der Orignalnoten in fürsorgliche Hände wie die des Exil.arte Zentrums der Musikuniversität Wien. Dort ist eine wissenschaftliche Aufarbeitung gewährleistet. Das SMI torpediert und behindert diese meine Bemühungen seit Jahren und vereitelt jeglichen Versuch einer Zusammenarbeit mit unwahren Behauptungen, die eine Zusammenarbeit unmöglich machen.

Der Umgang mit dem musikalischen Nachlass des jüdischen Komponisten Hans Winterberg ist eine Schande für den Bezirk Oberpfalz!

Warum verweigert das SMI/der Bezirk Oberpfalz die Herausgabe des Notenmaterials von Hans Winterberg bzw. beschwert sogar eine leihweise Herausgabe aktuell mit dem Entwurf einer perfiden Kooperationsvereinbarung? Darin werde ich aufgefordert eine Unterlassungsverpflichtung zu unterzeichnen, "endgültig und unwiderruflich davon Abstand zu nehmen und zu behaupten, das SMI oder deren Leitung hätte im Zusammenhang mit dem Werk von Hans Winterberg aus antisemitischen Motiven heraus gehandelt und sich antisemitisch geäußert."

Ich habe nie gesagt, dass "das SMI und /oder deren Leitung aus antisemitischen Motiven heraus gehandelt bzw. sich antisemitisch geäußert" hat. Ich habe gesagt, dass der Vertrag von 2000/02 antisemitisch ist. Nicht mehr und nicht weniger. Die Motive dazu kenne ich nicht.
 
Das SMI/der Bezirk Oberpfalz hat 2002 mit dem damaligen Erben Christoph Winterberg, ohne mein Wissen, eine antisemitische Vereinbarung unterzeichnet, die die jüdische Herkunft von Hans Winterberg verleugnet und er laut dieser Vereinbarung immer - zeitlich und örtlich unbegrenzt - als Sudetendeutscher Komponist zu bezeichnen ist. Diese Vereinbarung wurde durch mein Einschreiten aufgehoben und mein Onkel - der Erbe - hat mir den künstlerischen Nachlass post mortem vermacht. 2018 verstarb Christoph Winterberg und die Verwertung- und Nutzungsrechte gingen auf mich über. Eine Vollmacht gestattete mir die Arbeit am Nachlass schon zu Lebzeiten von Christoph Winterberg.
 
Warum hat das SMI/der Bezirk Oberpfalz diesen Nachlass damals gekauft? Um das Werk unauffällig wegzusperren und es langsam vom jüdischen Kulturgut in ein sudetendeutsches Werk umzuwandeln? War damals schon klar, dass jüdisches Kulturgut nicht ins SMI gehört? Das SMI/der Bezirk Oberpfalz hat sich jüdisches Kulturgut angeignet und dabei immer versucht den Schöpfer als Sudetendeutschen bzw. Volksdeutschen auszugeben. Hans Winterberg war aber ein Prager Jude und seit vielen Generationen nachweisbar Angehöriger des jüdischen Volkes.
 
Als Urheberrechteinhaber fordere ich das SMI/den Bezirk Oberpfalz auf, das gesamte Notenmaterial meines Großvaters zur Erforschung, Dokumentierung und Förderung - laut website Aufgabe des SMI - unverzüglich und ohne jegliche Auflagen an mich herauszugeben. Die mdw, die größte Musikuniversität der Welt mit ihrem Exil.arte-Zentrum in Wien ist sehr an der Erarbeitung und Aufbereitung des Werkes interessiert. Ich möche das kompositorische Werk im Exil.arte-Zentrum der mdw wissenschaftlich aufarbeiten lassen.

Dieses umfassende Musikwerk gehört komplett und uneingeschränkt in die Öffentlichkeit bzw. in die Musiksäle und nicht in ein Musikarchiv eingesperrt. Ich setzte mich mit aller Kraft für das Werk ein. Das ist mir zur Lebensaufgabe geworden, die aber ständig vom SMI behindert wird. Das Exil.arte-Zentrum in Wien, das zur Musikuniversität Wien (mdw) gehört, hat sich bereit erklärt, das Werk erstmals wissenschaftlich zu bearbeiten und entsprechende Editionen herauszugeben. Das SMI erforscht, dokumentiert und fördert das Werk nicht, sondern behindert die Arbeit massiv!

Der ehemalige Direktor des Sudetendeutschen Musikinstitutes in Regensburg und Vorgänger von Dr. Andreas Wehrmeyer, Widmar Hader hat im Oktober 2011 das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland erhalten. Das halte ich für einen Skandal! Noch 2002 hat er einen Vertrag gegengezeichnet, der z.B. in einem Aufsatz von Werner Sudendorf, des ehemaligen Senior Managers der Deutschen Mediathek, "als antisemitisch gedeutet werden kann, ist aber wie der ganze Vertrag eher Ausdruck von Paranoia und Verfolgungswahn".
 
Auch wenn die Vereinbarungen des Vertrages der ausschließlich persönliche Wunsch von Christoph Winterberg waren, so ist es für mich eine Verleugnung meines jüdischen Großvaters, dass Hader den §4 und §8 im damaligen Vertrag geduldet bzw. unterschrieben hat: "Das Sudetendeutsche Musikinstitut verpflichtet sich, Hans Winterberg in all seinen Äußerungen schriftlich oder mündlich ausschließlich als sudetendeutschen Komponisten zu bezeichnen. Auch Zusätze wie 'jüdischer Herkunft' oder ähnliche, die als Hinweis auf jüdische Herkunft dienen können, dürfen nicht verwandt werden. Diese Vereinbarung gilt zeitlich und örtlich unbegrenzt." 
 
Einen Vertrag auszzuhandeln, der repressive Maßnahmen zur jüdischen Identität des Komponisten erzwingt, ganz ohne Rücksicht auf Zukunftsverständnis oder Aufklärung und solche Vermutungen, gar Behauptungen 2000/2 auszulegen und im Vertrag auf EWIGKEIT festzuschreiben, geht auf eine Einstellung zurück, dass Jude sein oder als Jude verstanden zu werden, schlecht und abwertend sei. Es mag "gut gemeint" gewesen sein, es ist jedoch trotzdem antisemitisch. Man geht in einem solchen Fall davon aus, dass diese zentrale Identität etwas "schlechtes" und "schädliches" sei, wobei nur verlogene Informationen entgegen gestellt werden dürfen. Dass der Vertrag unter diesen Bedingungen vom SMI angenommen wurde ist Antisemitismus pur. Die Tarnung seiner jüdischen Identität mit einer sudetendeutschen Identität ist nicht anders als mit Antisemitismus zu erklären.
 
Dr. Wehrmeyer, der heutige Direktor des SMI, versucht mit seinem Verhalten vielleicht das "Erbe" Haders zu retten. Da er aber in der Sache sozusagen "weggesehen" hat und gerade nicht für Aufklärung sorgt, nachdem er selbst das SMI als Direktor übernommen hat, macht ihn mitschuldig.

Niemals hätte das SMI auf den "Vertrag" eingehen dürfen! Jetzt bestünde die Möglichkeit einer Korrektur des unsäglichen Geschehens, wo ich als Rechteinhaber zudem intensiv dabei bin, das kompositorische Werk meines Großvaters, mit Hilfe der Musikuniversität Wien, ins rechte Licht zu rücken.


Peter Kreitmeir

Update 21. Juni 2020:

Was will ich eigentlich?

Als Vertmächtnisnehmer und alleiniger Urheberrechteinhaber mit allen Verwertungs- und Nutzungsrechten, möchte ich den künstlerischen (kompositorischen) Nachlasses meines Großvaters Hans Winterberg, wieder aufleben lassen und zum Erblühen bzw. zur Aufführung in die Konzertsäle bringen, wie es mein Großvater getan hat.

Nachdem die Urheberrechte noch bis 2061 gelten, darf ich darauf hoffen, Tantiemen zur Deckung meiner Kosten, die durch Erforschung, Dokumentierung und Förderung des Werkes und des Lebens von Hans Winterberg entstehen, zu erhalten.

Das Sudetendeutsche Musikinstitut in Regensburg (SMI) und insbesondere der Leiter Dr. Andreas Wehrmeyer, torpediert und behindert meine Arbeit dazu massiv. Laut letztem Vertragsentwurf des SMI vom 19. März 2020 soll der Beitrag des Bezirks Oberpfalz (SMI) lediglich aus der Leihgabe des Werks von Hans Winterberg bestehen. Das soll dann die Erforschung, Dokumentierung und Förderung des Werkes sein, wie es die website des SMI vermittelt?

Das war der Grund, warum ich ca. 20% des Originalwerkes, welches ich entdeckt habe und welches Hans Winterberg selbst nicht mehr zum Hauptkonvolut hinzufügen konnte, selbstverständlich und im guten Glauben an das SMI gegeben habe, da ich davon ausgegangen bin, dass auch dieser wichtige Teil des Werkes im SMI gefördert wird. Jetzt betrachtet das SMI diesen Teil als Geschenk und erschwert mir die Bearbeitung genauso wie die des Hauptkonvolutes. Rechtlich kann man es so sehen aber moralisch ist das "unter aller Kanone - sub omni canone".

Was bezweckt das SMI und der Leiter Herr Dr. Wehrmeyer mit diesem Verhalten?

Insbesonders die Unterlassungsverpflichtung (§9 des Entwurfs) sind meines Erachtens erpresserisch und einer Zusammenarbeit zwischen dem SMI, der Musikuniversität Wien und mir nicht dienlich, sondern machen diese für mich unmöglich.

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