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Samstag, 6. Juli 2002 um 20 Uhr, EUR 12.-

'Bye, bye, Frankieboy'

Ein Frank Sinatra Programm
mit Clemens Tiburtius und der Sachs Band
des Hessischen Landestheaters Marburg

Hilfe gegen Liebeskummer
"Bye, bye Frankieboy":

Gastspiel aus Marburg mit Sinatra-Songs im TiL

Robbie Williams und Nicole Kidman tun es, Clemens Tiburtius und Cornelia Schönwald tun es auch - und zwar schon länger als die beiden internationalen Stars. Sie singen im Duett einen Evergreen, den einst Frank Sinatra 1967 mit seiner Tochter Nancy aufnahm und der mit seiner beschwingten Leichtigkeit heute noch genauso bezaubert wie damals: "Something stupid". Ist Robbie Williams mit seiner sensationellen Platte im vergangenen Jahr die Rückkehr des Swing in den Hitparaden zu verdanken, so pflegt das Hessische Landestheater Marburg dieses Genre schon seit 1999, als es sich entschloss, pünktlich zum ersten Todestag des amerikanischen Superstars hoch professionell ein Frank-Sinatra-Programm aufzulegen. Seitdem läuft "Bye, bye, Frankieboy" dort stets vor vollem Haus. Was liegt also näher, dieses Kleinod auch bei einem Gastspiel in Gießen funkeln zu lassen?

Leider hat sich die Qualität dieses rundherum gelungenen Abends wohl noch nicht von der einen Universitätsstadt bis zur anderen herumgesprochen, denn sonst hätten am Mittwoch mehr Swing-Begeisterte den Weg ins Theater im Löbershof gefunden. Die Hommage an den unverwüstlichen Entertainer, dem eine Flasche Whiskey der wichtigste Begleiter durch die Nacht war, spiegelt sich nicht nur in den Songs wieder, sondern auch in den ausgewählten Texten, mit denen Cornelia Schönwald schlaglichtartig dieses Erfolgstypen skizziert. "Das Abspielen seiner Platten hilft gegen Liebeskummer. "Stimmt, denn wer hat sich nicht schon mal vom "Summer wind" treiben lassen oder fest daran geglaubt: "I've got you under my skin".

Und wenn der wie sein Vorbild nicht eben gerade groß gewachsene Clemens Tiburtius gleich zu Beginn die Hymne an "New York" mit unverkennbarem Timbre kraftvoll anstimmt und den Ausflug in die musikalische Welt des Frank Sinatra mit dem programmatischen "My way" beendet, dann konnte das Publikum gut 90 Minuten lag einen Abend der Extraklasse genießen. Denn nicht nur die beiden Gesangssolisten wissen, wie sie ihren Sinatra zu interpretieren haben, auch die Band, die der leitende Dramaturg des Landestheaters, Jürgen Sachs, um sich geschart hat, versteht ihr Geschäft bestens. Sachs selbst zupft die Bassgitarre, Jürgen Stroth streichelt das Schlagzeug, Stefan Gebhardt ist der Mann am Klavier, und Stefan Koch legt bei "Strangers in the night" ein herrliches Saxophon-Solo hin. Die begeisterten Gäste im Löbershof waren davon schlichtweg "Bewitched".

Giessener Allgemeine Zeitung
Freitag, 08.03.2002

Gänsehaut-Gefühle bei Kerzenlicht mit Frankies größten Hits Glanzvoller Abend zu Ehren des unvergessenen Entertainers

Langen - Für viele gilt er heute noch als der Inbegriff des amerikanischen Sängers und nur wenige Entertainer konnten sich in der Vergangenheit seinem Einfluss entziehen: Als Frank Sinatra am 14. Mai 1998 starb, stürzte sein Dahinscheiden eine weltweite Fangemeinde in tiefe Trauer. In seiner Hommage "Bye, Bye Frankieboy" gedachte das Hessische Landestheater Marburg noch einmal dem Lebenswerk von "The Voice", wie Sinatra aufgrund seiner unvergleichlichen Stimme genannt wurde.

Bekannte aber auch weniger bekannte Songs wechselten dabei mit Berichten aus Sinatras Leben, die von ihm selbst, seinen Verwandten, Freunden und Kritikern verfasst worden waren und einen Einblick in seine Gefühle und Privatsphäre gewährten. Vorgetragen wurden die Texte von Schauspielerin Cornelia Schönwald, die im Lauf des Abends auch selbst zum Mikrophon griff, um ihre Gesangsqualitäten unter Beweis zu stellen.

Gesanglich faszinierte Jazz-Sänger Clemens Tiburtius das Publikum mit seiner für Frank Sinatra typischen leicht brüchigen Stimme, die besonders bei den ruhigen Nummern Gänsehaut erzeugte. Natürlich durften im Programm die großen Klassiker wie "New York, New York", "Fly me to the moon" oder "Strangers in the night" nicht fehlen. Und als er schließlich am Ende mit Sinatra-Hut und Zigarette die ersten Takte der Hymne "My way" anstimmte, die Sinatra angesichts der ihm selbst übertrieben anmutenden Popularität einmal ironisch mit den Worten "und nun die Nationalhymne - Sie können ruhig sitzen bleiben" angekündigt hatte, wurde das Gros der Zuschauer von nostalgischen Gefühlsregungen überwältigt.

Überraschend harmonisch präsentierten sich auch die Duette mit Cornelia Schönwald, unter denen das dramatische "Bewitched" am besten gefiel. Unterbrochen wurde das gesangliche Feuerwerk immer wieder durch instrumentale Einlagen der Sachs-Band. Schon zu Beginn stimmt Pianist Stefan Gebhardt mit seinem Medley vertrauter Melodien das Publikum auf den weiteren Verlauf des Abends ein, und zusammen mit Stefan Koch am Saxophon bot sich beiden in den Solo-Parts die Gelegenheit, auch ihr eigenes musikalisches Gefühl zu zeigen.

Doch die Faszination und Begeisterung um Frankie-Boy beruht nicht nur auf seiner Musik, sondern liegt vielmehr auch in seiner Persönlichkeit begründet. Um diese Verbindung zu verdeutlichen, wurden in der Revue die Berichte von und über Frank Sinatra gezielt zu den Gesangstexten in Beziehung gesetzt: Seine Unfähigkeit, auch nur eine Nacht alleine zu verbringen, verknüpfte sich mit dem Lied "Strangers in the night", und auf eine schmachtende Schilderung der Verführungsqualitäten von "Old Blue Eyes" folgte instrumental das romantische "A kiss is still a kiss" der Sachs-Band. Abgerundet wurde die emotional gestaltete Darbietung durch die Dekoration der Stadthalle, die sich nahtlos der anmutigen Gesamtstimmung anpasste. An mehr als 30 kleinen Rundtischen konnte bei Wein und Bier den Songs und Geschichten gelauscht werden und durch die besänftigende rot-blaue Bühnenbeleuchtung wurde Sänger und Band nostalgisch in Szene gesetzt. Als nach dem Piano-Intro schließlich auch die restliche Saalbeleuchtung ausging und die Tasche nur noch von flackernden Kerzen beleuchtet wurden, fühlten sich auch die Letzten im Saal in einem exklusiven Nachtclub der fünfziger Jahre versetzt - eine Atmosphäre, die das Publikum volle 90 Minuten umhüllte und und mit der Ballade Moonriver" einen gebührenden Ausklang fand.

Langener Zeitung 9.2.02


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