Hilfe
gegen Liebeskummer
"Bye, bye Frankieboy":
Gastspiel
aus Marburg mit Sinatra-Songs im TiL
Robbie
Williams und Nicole Kidman tun es, Clemens Tiburtius und Cornelia
Schönwald tun es auch - und zwar schon länger als die beiden internationalen
Stars. Sie singen im Duett einen Evergreen, den einst Frank Sinatra
1967 mit seiner Tochter Nancy aufnahm und der mit seiner beschwingten
Leichtigkeit heute noch genauso bezaubert wie damals: "Something
stupid". Ist Robbie Williams mit seiner sensationellen Platte
im vergangenen Jahr die Rückkehr des Swing in den Hitparaden zu
verdanken, so pflegt das Hessische Landestheater Marburg dieses
Genre schon seit 1999, als es sich entschloss, pünktlich zum ersten
Todestag des amerikanischen Superstars hoch professionell ein
Frank-Sinatra-Programm aufzulegen. Seitdem läuft "Bye, bye, Frankieboy"
dort stets vor vollem Haus. Was liegt also näher, dieses Kleinod
auch bei einem Gastspiel in Gießen funkeln zu lassen?
Leider
hat sich die Qualität dieses rundherum gelungenen Abends wohl
noch nicht von der einen Universitätsstadt bis zur anderen herumgesprochen,
denn sonst hätten am Mittwoch mehr Swing-Begeisterte den Weg ins
Theater im Löbershof gefunden. Die Hommage an den unverwüstlichen
Entertainer, dem eine Flasche Whiskey der wichtigste Begleiter
durch die Nacht war, spiegelt sich nicht nur in den Songs wieder,
sondern auch in den ausgewählten Texten, mit denen Cornelia Schönwald
schlaglichtartig dieses Erfolgstypen skizziert. "Das Abspielen
seiner Platten hilft gegen Liebeskummer. "Stimmt, denn wer hat
sich nicht schon mal vom "Summer wind" treiben lassen oder fest
daran geglaubt: "I've got you under my skin".
Und
wenn der wie sein Vorbild nicht eben gerade groß gewachsene Clemens
Tiburtius gleich zu Beginn die Hymne an "New York" mit unverkennbarem
Timbre kraftvoll anstimmt und den Ausflug in die musikalische
Welt des Frank Sinatra mit dem programmatischen "My way" beendet,
dann konnte das Publikum gut 90 Minuten lag einen Abend der Extraklasse
genießen. Denn nicht nur die beiden Gesangssolisten wissen, wie
sie ihren Sinatra zu interpretieren haben, auch die Band, die
der leitende Dramaturg des Landestheaters, Jürgen Sachs, um sich
geschart hat, versteht ihr Geschäft bestens. Sachs selbst zupft
die Bassgitarre, Jürgen Stroth streichelt das Schlagzeug, Stefan
Gebhardt ist der Mann am Klavier, und Stefan Koch legt bei "Strangers
in the night" ein herrliches Saxophon-Solo hin. Die begeisterten
Gäste im Löbershof waren davon schlichtweg "Bewitched".
Giessener
Allgemeine Zeitung
Freitag, 08.03.2002
Gänsehaut-Gefühle
bei Kerzenlicht mit Frankies größten Hits Glanzvoller Abend zu
Ehren des unvergessenen Entertainers
Langen
- Für viele gilt er heute noch als der Inbegriff des amerikanischen
Sängers und nur wenige Entertainer konnten sich in der Vergangenheit
seinem Einfluss entziehen: Als Frank Sinatra am 14. Mai 1998 starb,
stürzte sein Dahinscheiden eine weltweite Fangemeinde in tiefe
Trauer. In seiner Hommage "Bye, Bye Frankieboy" gedachte das Hessische
Landestheater Marburg noch einmal dem Lebenswerk von "The Voice",
wie Sinatra aufgrund seiner unvergleichlichen Stimme genannt wurde.
Bekannte aber auch weniger bekannte Songs wechselten dabei mit
Berichten aus Sinatras Leben, die von ihm selbst, seinen Verwandten,
Freunden und Kritikern verfasst worden waren und einen Einblick
in seine Gefühle und Privatsphäre gewährten. Vorgetragen wurden
die Texte von Schauspielerin Cornelia Schönwald, die im Lauf des
Abends auch selbst zum Mikrophon griff, um ihre Gesangsqualitäten
unter Beweis zu stellen.
Gesanglich
faszinierte Jazz-Sänger Clemens Tiburtius das Publikum mit seiner
für Frank Sinatra typischen leicht brüchigen Stimme, die besonders
bei den ruhigen Nummern Gänsehaut erzeugte. Natürlich durften
im Programm die großen Klassiker wie "New York, New York", "Fly
me to the moon" oder "Strangers in the night" nicht fehlen. Und
als er schließlich am Ende mit Sinatra-Hut und Zigarette die ersten
Takte der Hymne "My way" anstimmte, die Sinatra angesichts der
ihm selbst übertrieben anmutenden Popularität einmal ironisch
mit den Worten "und nun die Nationalhymne - Sie können ruhig sitzen
bleiben" angekündigt hatte, wurde das Gros der Zuschauer von nostalgischen
Gefühlsregungen überwältigt.
Überraschend
harmonisch präsentierten sich auch die Duette mit Cornelia Schönwald,
unter denen das dramatische "Bewitched" am besten gefiel. Unterbrochen
wurde das gesangliche Feuerwerk immer wieder durch instrumentale
Einlagen der Sachs-Band. Schon zu Beginn stimmt Pianist Stefan
Gebhardt mit seinem Medley vertrauter Melodien das Publikum auf
den weiteren Verlauf des Abends ein, und zusammen mit Stefan Koch
am Saxophon bot sich beiden in den Solo-Parts die Gelegenheit,
auch ihr eigenes musikalisches Gefühl zu zeigen.
Doch
die Faszination und Begeisterung um Frankie-Boy beruht nicht nur
auf seiner Musik, sondern liegt vielmehr auch in seiner Persönlichkeit
begründet. Um diese Verbindung zu verdeutlichen, wurden in der
Revue die Berichte von und über Frank Sinatra gezielt zu den Gesangstexten
in Beziehung gesetzt: Seine Unfähigkeit, auch nur eine Nacht alleine
zu verbringen, verknüpfte sich mit dem Lied "Strangers in the
night", und auf eine schmachtende Schilderung der Verführungsqualitäten
von "Old Blue Eyes" folgte instrumental das romantische "A kiss
is still a kiss" der Sachs-Band. Abgerundet wurde die emotional
gestaltete Darbietung durch die Dekoration der Stadthalle, die
sich nahtlos der anmutigen Gesamtstimmung anpasste. An mehr als
30 kleinen Rundtischen konnte bei Wein und Bier den Songs und
Geschichten gelauscht werden und durch die besänftigende rot-blaue
Bühnenbeleuchtung wurde Sänger und Band nostalgisch in Szene gesetzt.
Als nach dem Piano-Intro schließlich auch die restliche Saalbeleuchtung
ausging und die Tasche nur noch von flackernden Kerzen beleuchtet
wurden, fühlten sich auch die Letzten im Saal in einem exklusiven
Nachtclub der fünfziger Jahre versetzt - eine Atmosphäre, die
das Publikum volle 90 Minuten umhüllte und und mit der Ballade
Moonriver" einen gebührenden Ausklang fand.
Langener
Zeitung 9.2.02